Herbstsynode unseres Kirchenkreises Wesermarsch in Brake

Im Mittelpunkt der diesjährigen Herbstsynode am 23. Oktober 2019 standen die Wahlen der Delegierten für die Landessynode und die Wahl einer neuen Kreispfarrerin.
Nach dem Gottesdienst in der Stadtkirche eröffnete der Vorsitzende der Kreissynode Jost Richter die Sitzung im Christophorushaus Brake. Als besondere Gäste konnte er Bischof Thomas Adomeit und die Präsidentin der Synode Sabine Blütchen begrüßen.
Vor dem Eintritt in die Verhandlungen überbrachte der Bischof die Grüße von Oberkirchenrat und Gesamtkirche. Er würdigte noch einmal das segensreiche Wirken des im April plötzlich verstorbenen Kreispfarrers Jens Möllmann. Schließlich dankte er allen, die sich mit Zeit und Kraft im Dienst der Kirche engagieren. Besonders dankte der Bischof dem Vorsitzenden der Synode Jost Richter und dem amtierenden Kreispfarrer Jochen Dallas für die reibungslose Übernahme der Amtsgeschäfte in der Überbrückungszeit bis zum Dienstantritt einer neuen Kreispfarrerin.

Der amtierende Kreispfarrer Jochen Dallas berichtete über besondere Ereignisse im Kirchenkreis und einige Entscheidungen, die der Kreiskirchenrat getroffen hat. So hob er etwa die außerordentliche Solidarität hervor, die der Brand der Kirche in Golzwarden hervorgerufen hat. Dies sei in dieser schwierigen Situation besonders für die betroffene Gemeinde sehr ermutigend. Als ein schönes Erlebnis lebendiger Kirche habe er die Themenwoche der Evangelischen Jugend „zuFRIEDEN“ in der Stadtkirche Brake erlebt.
Einen Beschluss der Kreissynode zum Pfarrstellenrahmenplan hat der Kreiskirchenrat in das nächste Jahr verschoben, um die zu wählende Kreispfarrerin in die Überlegungen und Prozesse der zukünftigen Pfarrstellenverteilung mit einbinden zu können. Voraussichtlich im Frühjahr wird die Kreissynode nun darüber zu befinden haben.

Nach den Berichten wählte die Kreissynode ihre Delegierten für die Synode der Ev.-luth. Kirche in Oldenburg. Die dort versammelten etwa 60 Mitglieder treffen i.d.R. zweimal im Jahr die wesentlichen Rahmenentscheidungen für das kirchliche Leben der oldenburgischen Kirche. Aus der Wesermarsch sind zwei Mitglieder aus den Reihen der Pfarrerinnen und Pfarrer und fünf nichttheologische Mitglieder zu entsenden. Für die Pfarrerschaft wurden Pfarrerin Sonja Froese-Brockmann aus den Kirchengemeinden Altenesch und Bardewisch und Pfarrerin Anke Claßen aus der Kirchengemeinde Blexen gewählt. Als nichttheologische Mitglieder wurden Birgit Osterloh (Elsfleth), Silvia Warns (Vier Kirchen Ovelgönne), Frank Walter (Vier Kirchen Ovelgönne), Gebhardt von Hirschhausen (Brake) und Jost Richter (Neuenbrok) benannt.

Bevor sich das Augenmerk auf Vorstellung und Wahl der Kreispfarrerin richten konnte, stellte Verwaltungsleiter Matthias Hadeler Jahresrechnung 2018 und Haushaltsplan 2020 vor. Da sich in beiden Zahlenwerken keine größeren Verschiebungen ergeben hatten, wurden sie ohne Aussprache mit Dank für die gute Arbeit der Regionalen Dienststelle einstimmig verabschiedet.

Die Wahl der Kreispfarrerin leitete Bischof Thomas Adomeit mit dem Bericht des Wahlkollegiums ein. Dieses hatte die Wahl vorbereitet und ist zu dem einstimmigen Beschluss gekommen, der Kreissynode Wesermarsch nur die eine Kandidatin Pfarrerin Christiane Geerken-Thomas aus Großenkneten zur Wahl vorzuschlagen. Zudem hatte das Wahlkollegium die Kandidatin gebeten, sich der Synode als Person sowie mit einem Vortrag zum Thema: „Wozu brauchen die Menschen der Wesermarsch im Jahr 2030 die Evangelische Kirche?“ vorzustellen.

Pfarrerin Geerken-Thomas stellte zunächst im Rahmen ihres Vortrages ausführlich dar, was in ihrer Sicht Aufgabe der Kirche ist – und was nicht Aufgabe der Kirche ist. Was nicht Aufgabe der Kirche ist, benannte Geerken-Thomas sehr deutlich: Kirche ist nicht für sich selbst da, und sie ist auch nicht dafür da, einfach nur ihre Gebäude, Räume oder auch ihre Arbeitsstellen zu erhalten. Kirche ist vielmehr dafür da, den Menschen Räume anzubieten, in denen sie Glauben und Gemeinschaft erleben können. Diese Räume sind zum einen Orte, an denen Menschen zusammen kommen können. Solche Orte sind Kirchen und Gemeindehäuser, solche Orte sind aber auch Seniorenzentren, Kindertagesstätten oder Anlaufstellen des Diakonischen Werkes. Zum anderen ist die Kirche aber auch dafür da, den Menschen Zeit-Räume wie Gottesdienste, Konfirmandenzeit oder die individuelle Begleitung in den Übergängen des Lebens anzubieten. Letztendlich sei es Aufgabe von Kirche und den Menschen, die sich vom Glauben getragen wissen, anderen die Liebe Gottes spürbar werden zu lassen. „Das bedeutet, wir als Kirche müssen erspüren und wissen, wo die Menschen einen Mangel an Liebe erfahren, damit Gottes Liebe diesen Mangel ausfüllen kann.“ Schon Luther habe gesagt, Kirche müsse „dem Volk aufs Maul“ schauen. Dazu gehört heute, so Geerken-Thomas, auch, sich auf die Kommunikationsformen der Menschen einzulassen.
An den Vortrag schloss Pfarrerin Geerken-Thomas noch einige Worte der persönlichen Vorstellung an. Sie endete damit, dass sie sich freue, mit der Synode zusammen Wege zu entwickeln, die der Kirchenkreis einschlagen solle, um, wie eingangs beschrieben, in veränderter Zeit als Kirche für die Menschen da zu sein.

Nach einer kurzen Aussprache schloss sich die geheime Wahl an. Mit großer Mehrheit wurde Pfarrerin Geerken-Thomas für acht Jahre zur Kreispfarrerin des Kirchenkreises Wesermarsch gewählt. Dankend nahm sie die Wahl an und viele Glückwünsche entgegen. Bischof Adomeit nannte den 1. Februar als voraussichtlichen Termin ihres Dienstbeginns.

Gegen 23.30 Uhr schloss Bischof Adomeit die Synode mit Gebet und Segen.

Dietmar Reumann-Claßen

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Pfarrerin Christiane Geerken-Thomas
Vortrag auf der Tagung der Kreissynode Wesermarsch am 23.10.2019 in Brake

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Sehr geehrte Mitglieder der Kreissynode,
sehr geehrte Gäste,
liebe Schwestern und Brüder!

Wofür brauchen die Menschen in der Wesermarsch im Jahre 2030 die Evangelische Kirche?“
Das ist das Thema, dass mir gegeben wurde, um Ihnen einen Eindruck zu geben, was mich zu Fragen und Bedeutung von Kirchenmitgliedschaft und Gestaltung von kirchlichem Leben beschäftigt.

Ich bin dankbar, dass die Frage in dieser Weise gestellt wurde: wofür brauchen die Menschen die evangelische Kirche? Denkbar wäre ja auch gewesen, zu fragen, wie ich mir die Kirche in der Wesermarsch 2030 vorstelle. Es ist ja nicht so, dass ich dazu keine Ideen hätte.

Aber ich bin dankbar für diese Fragestellung, weil der Fokus hier auf einem ganz wesentlichen Punkt liegt, nämlich darauf, wofür die Kirche gebraucht wird. Erst wenn wir diese Frage miteinander beantworten können, dann können wir auch wirklich überlegen, wie Kirche auszusehen hat, was sie anbietet und vorhalten sollte.

Das Wofür und Warum sind wichtige Leitfragen, um Ideen zu entwickeln für eine Kirche im Jahr 2030 oder auch im Jahr 2060. Und wir brauchen eine Antwort auf diese Frage auch schon jetzt, noch für dieses Jahr und für das kommende Jahr 2020. Bei allen unseren Überlegungen zu unserer Kirche muss das immer der Ausgangspunkt sein: Wofür und warum brauchen wir die Kirche? Wenn wir diese Frage nicht beantworten können, dann können wir nicht erwarten, Kirche für die Menschen zu sein, – ganz gleich ob in der Wesermarsch oder anderswo. Denn die Kirche braucht es ja genau darum, um für Menschen da zu sein.

Also wofür und warum?
Die Antwort auf die Frage ist einfach und schwierig zugleich. Einfach, weil die Antwort, seit es Kirche gibt, immer die gleiche ist: Die Kirche schafft Räume, um Glauben in Gemeinschaft zu leben. Und dieses Schaffen von Räumen geschieht in verschiedener Weise.

(1) Zum einen ganz konkret in Form von Gebäuden.
So sind flächendeckend Räume entstanden, in denen Menschen gemeinsam beten, singen, klagen, trauern, danken, loben, Gottes Wort hören und Taufe und Abendmahl feiern. Ganz wunderbare, einzigartige Räume sind entstanden: Kirchen, wie sie gerade in der Wesermarsch in ganz besonderer Architektur, Ausgestaltung und auch Fülle vorhanden sind. Aber auch Kindertagesstätten, Anlaufstellen des Diakonischen Werkes oder Seniorenzentren können und sollten durch die Menschen, die dort arbeiten und durch die Weise, wie sie das tun, auch erkennbar kirchliche Räume sein.
(2) Es geht aber nicht nur um Kirchräume und andere Gebäude, es geht auch um zeitliche Räume.
- Gottesdienst feiern: eine Stunde Auszeit; eine Stunde Einkehr; eine Stunde Gemeinschaft: hier wird ein Zeit-Raum geschaffen.
- Konfirmandenzeit, so heißt der Konfirmandenunterricht heute. Der Begriffswechsel zeigt an, auch hier geht es um einen zeitlichen Raum, es geht um Gemeinschaftserleben, geprägt durch inhaltliche Themen des Glaubens.
- Lebensbegleitung: Die Kirche ist da! Ganz individuell! Sie bietet einen Raum – das Gebäude, und auch zeitlich bietet sie sich an, um Menschen zu begleiten: in ihrer Freude über eine Eheschließung, im Dank für neugeborenes Leben, in der Trauer angesichts eines Todesfalls.
- Kirche bietet auch Raum zum Sich-Ausprobieren, besonders für junge Menschen.
- Und sie bietet Raum für Beteiligung und Sich-Einbringen für Menschen jeden Alters.

(3) Darum braucht es die Kirche auch als institutionellen Raum, wo Themen aus dem sozialen und gesellschaftlichen Umfeld aufgenommen werden,
– sei es, wenn unerwartet Flüchtlingsströme zu uns kommen,
– wenn bei Notfalleinsätzen Seelsorge gefragt ist,
– wenn gesellschaftliche Themen ganz existentielle Fragestellungen aufwerfen, wie derzeit bei den Themen Landwirtschaft oder Klimawandel,
Das alles und manches Mehr, das ich nicht benannt habe, ist Kirche, die Räume schafft, als Antwort auf die Frage nach dem Wofür.

Es braucht aber auch eine Antwort auf die Frage nach dem Warum! Es braucht die Kirche nach dem Augsburger Bekenntnis, um als versammelte Gemeinde auf Gottes Wort zu hören und die Sakramente zu feiern. (CA 7) Und zwar, weil wir durch unsere Taufe den Auftrag dazu bekommen haben. „Geht hin! Lehret, was ich euch befohlen habe.“ So heißt es im sogenannten Missionsbefehl. Und drei Kapitel zuvor wird im Matthäusevangelium entfaltet, was das ganz konkret ist, was Jesus da aufgetragen hat: Gebt! den Hungrigen und Durstigen, den Heimatlosen und Besitzlosen. Und: Geht! – zu den Kranken und den Gefangenen. Das ist die Sendung, die wir als Getaufte in der Nachfolge Jesu bekommen haben. Dass wir aber gesendet sind und Aufgaben haben, hat einen Grund. Und dieser Grund ist die Liebe Gottes.

Gott ist die Liebe! Manchen klingt dieser Satz fast banal. Aber er ist nicht banal. Denn die Aufgabe der Kirche und damit die Aufgabe der Menschen, die schließlich Kirche sind, ist es, diesen Satz – Gott ist die Liebe – lebendig werden zu lassen. Das bedeutet, wir als Kirche müssen erspüren und wissen, wo die Menschen einen Mangel an Liebe erfahren, damit Gottes Liebe diesen Mangel ausfüllen kann. Dafür wurde die Kirche schon immer gebraucht, dass sie sich als Raum erfahrbarer und gelebter Liebe erweist. Und das hat sie in den Jahrhunderten ihrer Geschichte nicht immer getan.

Kirche ist kein Selbstzweck. Sie ist nicht dafür da, Arbeitsplätze zu erhalten oder Gebäude oder sich mit sich selbst zu beschäftigen. Die Kirche hat sich in ihrer Geschichte schon immer verändert. Und das wird sie auch weiter tun, ja das muss sie tun.

Dabei dürfen wir, als Menschen, die in der Kirche aktiv sind, nicht ängstlich sein oder zögerlich, weil sich etwas verändert. Denn wenn Kirche sich verändert, dann ja als Reaktion auf das veränderte Leben der Menschen. Wenn wir nun also merken, dass die Zugehörigkeit zur Kirche nicht mehr als selbstverständlich anerkannt wird, indem sie von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird, dann hilft es nichts, darüber zu klagen, sondern dann müssen wir schauen und verstehen, woran das liegt und darauf reagieren. Wir leben in einer Wohlstandsgesellschaft. Manche früher existenziellen Fragen beschäftigen die Menschen nicht mehr, weil ihre Existenz erst einmal gesichert ist.
Und dennoch haben die Menschen Sorgen und das Gefühl von Unsicherheit in einer Welt, die sich rasend schnell verändert. Diese Sorgen wahrzunehmen und diese Unsicherheiten und Fragen, das ist die Aufgabe der Kirche, um den Menschen Antwort zu geben oder zumindest mit ihnen gemeinsam nach Antworten zu suchen. Dazu ist es wichtig, den Kontext und die Lebenswelt der Menschen wahrzunehmen und das Wahrgenommene auch ernst und wichtig zu nehmen. Wenn die Menschen in der Wesermarsch – genauso wie die Menschen überall – das spüren, dann spüren sie auch, dass sie die Kirche brauchen.
Menschen müssen erfahren können, dass Kirche und damit die Menschen, die in ihr Handeln, sie hört und sieht, in all dem, was sie umtreibt und beschäftigt. Und das sind einerseits ganz spezifische Fragen und Themen. Es sind andererseits aber auch Fragen und Themen, die in das Gleiche münden.

Kirche, – und in der Wesermarsch noch für mehr als die Hälfte der Bevölkerung evangelische Kirche, – wird dann von den Menschen nicht nur gebraucht, sondern auch wahrgenommen und genutzt werden, wenn sie spüren, dass genau das geschieht, dass sie mit ihren Lebensfragen gesehen werden und vorkommen. Und das ist in der südlichen Wesermarsch, der zum Teil schon zum Speckgürtel Bremens gehört, in der konkreten Begegnung und Erwartung etwas anderes als das, was den Butjenter umtreibt. Und wer in Nordenham in einem sogenannten Arbeiterviertel lebt, wird im Detail anderes beschäftigen als einen Landwirt in Mooriem oder Stedingen.
Aber bei aller Unterschiedlichkeit landen wir dann doch beim Kern, bei dem Bedürfnis, Orte und Menschen bei der Kirche zu finden, wo Liebe Gestalt bekommt.

Dadurch, dass Menschen wertschätzend und respektvoll miteinander Umgehen, dass Menschen sich aufeinander einlassen, um nach Antworten und Wegen zu suchen, die Sicherheit in Unsicherheit geben, dass es Hilfe und Unterstützung gibt, ganz konkret, wenn diese benötigt wird.
Und die Basis, so miteinander Kirche zu sein, ist, sich getragen zu wissen durch den Glauben,
durch einen Glauben der Orientierung gibt, der Halt und Sicherheit bietet.

Wenn ich Sie nun frage, liebe Kreissynodale, liebe Gäste, warum engagieren Sie sich in der Kirche – als Ehrenamtliche oder auch beruflich? - dann lassen sich vermutlich zwei Hauptmotive finden.

(1) Das eine ist, dass die Kirche einen Raum gibt, in dem wir uns gemeinsam mit anderen Menschen für Andere engagieren und uns dabei mit dem, was wir gut können, einbringen können. Etwas für das Gemeinwohl zu tun, für das Miteinander und den Zusammenhalt im Dorf, in der Stadt, in unserer Gesellschaft, ist eine wichtige durch den christlichen Glauben begründete Motivation.

(2) Das andere Motiv rührt wohl mehr von unseren inneren Erfahrungen mit dem Glauben her,
wenn wir selber in unserem Leben erlebt haben, dass der Glaube uns etwas gibt, das wir weder durch uns selbst noch durch andere Menschen erfahren können: nämlich das Gefühl der grundsätzlichen Annahme, – der Annahme durch Gott, der uns bei all unserer Fehlerhaftigkeit so nimmt wie wir sind, und uns eben durch seine Liebe selber anspornt, unserem Gegenüber mit Liebe zu begegnen und mit Wertschätzung und Achtung.

Dabei ist es, so glaube ich, für die Menschen in und aus der Wesermarsch vielleicht nochmal besonders, dass es uns nicht unbedingt in die Wiege gelegt ist, das in Worte zu fassen. Über unseren Glauben zu sprechen, über das, was uns trägt und Halt gibt, ist gar nicht so einfach.
Leichter ist, es etwas zu tun, – Gutes zu tun. Aber der Kern der christlichen Botschaft, besonders der evangelisch gedeuteten, ist ja gerade der, dass wir nichts tun müssen. Ja, wohl, dass wir tun sollen und tun dürfen, aber Gottes Liebe, die Annahme durch ihn, die gilt uns auch schon, ohne etwas getan zu haben.

Diesen Glauben, dieses Vertrauen in sich zu haben, scheint etwas zu sein, das in unserer Gesellschaft zu unserer Zeit immer weniger Bedeutung hat. Die Botschaft von der Rechtfertigung durch Gottes Liebe und Gnade, die Botschaft von Gottes Tat, uns durch Jesu Leben und sein Sterben am Kreuz ein einmaliges Geschenk gemacht zu haben, scheint schwer verständlich zu sein und nicht mehr das, was die Menschen heute als Botschaft hören wollen.

Ich bin aber überzeugt davon, dass es genau das ist, was wir heutzutage und auch weiterhin brauchen. Doch um das vermitteln zu können, um die Menschen mit dieser Botschaft zu erreichen, müssen wir ihre Sprache sprechen. Und das ist ja ganz lutherisch, dem Volk aufs Maul zu schauen. Die Sprache des Volkes zu sprechen, sich auch auf ihre Kommunikationsformen einzulassen, ist eine Art Übersetzungsaufgabe. Und die ist einerseits erlernbar, andererseits aber nie abgeschlossen. Ich habe das als Kreisjugendpfarrerin in den letzten Jahren erlebt. Ganz begeistert bin ich immer wieder, wenn ich mit jungen Menschen Andachten gefeiert habe, die sie selbst in ihrer Sprache, mit ihren Worten gehalten haben.

Und dass auch Menschen im Alter zwischen 30 und Mitte 40 auf der Suche nach Räumen sind, wo ihre Fragen und Lebensthemen vorkommen, wurde mir gerade in diesem Jahr durch schmerzliche Ereignisse allzu sehr deutlich, weil ich als Pastorin und Seelsorgerin nach mehreren Todesfällen in dieser Altersgruppe viele Begegnungen und Gespräche hatte. Denn die Frage nach Glauben und auch nach dem Wofür der Kirche taucht gerade dann auf, wenn wir in Krisen sind, wenn wir etwas nicht verstehen, wenn uns etwas widerfährt, was uns zutiefst erschüttert.
Um dann als Kirche aber da zu sein, braucht es Kirche, – in 10 Jahren, – und noch viel länger, als einer von uns hier Teil der Kirche sein wird.
Wie wir als solch eine Kirche in der Wesermarsch im Jahr 2030 da sein können, das möchte ich gerne mit Ihnen gemeinsam entwickeln und gestalten.

Es wird wohl in Vielem nicht mehr die Kirche sein, wie wir sie kennen, bzw. wie sie war, als Sie und ich uns entschieden haben, uns ehrenamtlich oder hauptamtlich in ihr zu engagieren. Sie wird anders sein müssen, nicht nur wegen weniger Pfarrstellen und demografischer Entwicklung, sondern weil Lebensumstände sich verändern, und Kirchenzugehörigkeit nicht mehr Tradition ist, sondern vielmehr eine Option.

Ich möchte gerne meinen Teil dazu beitragen, dass Menschen sich für diese Option entscheiden. Auf festem traditionsverbundenem Grund möchte ich Kirche so mitgestalten , dass in ihr die Liebe Gottes immer neu erfahrbar wird, in dem sie zeitliche Räume und räumliche Orte schafft, in denen das möglich ist.

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