Seit sechs Monaten Kreispfarrerin

Einen Platz in der oldenburgischen Kirchengeschichte hat sich Kreispfarrerin Geerken-Thomas schon im ersten halben Jahr ihrer Amtszeit gesichert: Aufgrund von Naturkatastrophen mussten gleich zwei Mal die Termine für ihre Einführung abgesagt werden: Am 9. Februar fegte das Sturmtief Sabine alle Vorbereitungen für einen festlichen Start kurzfristig hinweg.

Der zweite Einführungstermin am 19. April fiel dann dem allgemeinen Corona-Lockdown zum Opfer. Ein neuer Termin steht noch aus. Bis jetzt ist nicht abzusehen, wann ein Gottesdienst mit etwa 200 Gästen gefeiert werden kann.
Der Dienstbeginn der neuen Kreispfarrerin kann also durchaus als „stürmisch“ bezeichnet werden. Gerade mal sechs Wochen blieben ihr, um erste Kontakte zu Gemeinden, Diensten, Mitarbeitenden sowie Pfarrerinnen und Pfarrern zu knüpfen.

„In der Rückschau bin ich sehr dankbar für die ersten sechs Wochen vor dem Lockdown“, sagte Frau Geerken-Thomas in einem Gespräch, denn so „war ich schon sehr vielen begegnet und habe ein Gefühl für diejenigen bekommen, mit denen ich in meinem neuen Arbeitsfeld zusammenarbeiten werde. Mich hat sehr gefreut, in diesen Begegnungen eine große Offenheit zu erleben und die Bereitschaft, sich auf neue Wege einzulassen.“

Von „Mitte März an habe ich dann nur noch vom Bildschirm aus und mit dem Telefon gearbeitet.“ In dieser Zeit kam es darauf an, „den Informationsfluss zwischen der Kirchenleitung und den Gemeinden und Diensten des Kirchenkreises zu gewährleisten. In dieser völlig neuen Situation war meine wichtigste Aufgabe, Sicherheit zu geben.“ Immerhin: Die Pfarrerin hat in diesen herausfordernden Monaten den Eindruck gewonnen, „dass wir in dieser Zeit enger zusammengewachsen sind.“
Und noch etwas kann die Kreispfarrerin der Corona-Krise an Positivem abgewinnen. So weist sie darauf hin, dass ‘Demut‘ durch die Krise für viele Menschen einen neuen Klang bekommen hat. Zum anderen überlegt sie, ob die zu beobachtende Zurückhaltung beim Gottesdienstbesuch nicht zeigt, „dass Kirche noch mehr ist als Gottesdienst zu feiern.“ „Einige sind noch sehr vorsichtig. Ich glaube aber, die Zurückhaltung liegt auch daran, dass den Menschen coronabedingt die Gemeinschaft fehlt: Das Gespräch an der Kirchentür, der Kaffee hinterher.“

Auch für sie selbst heißt Kirche „Glauben in Gemeinschaft zu leben, Werte und eine Lebenshaltung zu teilen“. So ähnlich scheinen es die Gemeindeglieder auch zu verstehen. Deshalb hofft die Kreispfarrerin, dass die Gemeindehäuser bald wieder als Treffpunkt geöffnet werden können. „Treffen wie die Seniorenkreise, Selbsthilfegruppen, Jugendtreffs, das alles ist für den Lebensalltag sehr wichtig.“
So sehr das gesamte Leben durch die Virusgefahr tiefgreifenden Veränderungen unterworfen ist, möchte die Kreispfarrerin darin doch nicht eine Strafe Gottes sehen. „Ich glaube nicht, dass Gott … den Menschen Strafen schickt. Ich glaube aber sehr wohl, dass in allem, was passiert, eine Aufgabe für uns steckt. Gottes Wille ist, dass wir diese Aufgabe angehen und bewältigen.“ In diesem Sinne könne das neue Virus durchaus „ein Weckruf Gottes für uns sein. Es zeigt uns Grenzen auf und lehrt uns, an manchen Stellen genauer hinzusehen, z.B. unter welchen Bedingungen Menschen arbeiten müssen und wie sie dafür entlohnt werden.“

Im Blick auf ihren Dienst in der Wesermarsch sieht die Kreispfarrerin große Herausforderungen auf sich, die Verantwortlichen und die Gemeinden zukommen. Das kirchliche Leben muss mit deutlich weniger Pfarrpersonen und Finanzen gestaltet werden. Ihre eigene Aufgabe sieht sie dabei darin, die Gemeinden zu den notwendigen Veränderungen zu ermutigen und „die Veränderungsbereitschaft der Verantwortlichen zu stärken und zu unterstützen.“

Dietmar Reumann-Claßen

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